Kultur- und Moorlandschaft in einem malerischer Spreewald

Nachdem die Gletscher der letzten Eiszeit abgeschmolzen waren, floss die Spree noch als mäandernder Fluss durch das heutige Spreewaldgebiet. Erst später und nicht ohne das Zutun des Menschen kam es zur Entsehung eines weitverzweigten Flusssystems. Viele schmale Kanäle durchziehen die Auenlandschaft, in der sich kleine Siedlungen und malerische Wander- und Radwege verlieren. Folgt man dem Spree Radweg von der Quelle bis zur Mündung in Berlin, wird man im Spreewald auf ein Geflecht aus leise plätschernden Wasserläufen treffen. Durch jene staksen die berühmten Kähne. Im Sommer erhalten viele Bewohner der Region ihre Post mittels einem derartigen Boot. Bevor sich die Fließe in Lübben zeitweilig wieder zu einem Fluss zusammenfinden, passieren sie den charakteristischen Oberspreewald.

Labyrinth aus Kanälen

Doch nicht nur während der warmen Jahreszeit genießt man im Südosten Brandenburgs unvergessliche Impressionen. Überzieht eine Schneedecke die idyllische Landschaft und erstarren die Fließe im Frost, darf zu einem Freizeitvergnügen der besonderen Art aufgebrochen werden. Auf Kufen gleitet man durch das scheinbar endlose Labyrinth aus Kanälen und Flussarmen und wird sich wie im Märchen fühlen. Doch selbst eisfreie Winter appellieren an die romantische Ader der Besucher. In eine wärmende Decke gehüllt, nimmt man in einem Holzboot Platz und erlebt eine gemütliche Glühwein-Kahnfahrt. Ortskundige Kapitäne bringen Reisende an die schönsten und idyllischsten Plätzchen und zeigen ihnen die Schätze der Natur. Wo im Sommer dichte Laubwälder blühen, inhaliert man nun die Anmut eines Winterwunderlandes.

Die Natur und der menschliche Einfluss haben mit dem Spreewald eine atemberaubende Landschaft geformt, die man mittels Spree Radweg erkunden kann. Doch die schönsten Panoramen genießt man seit jeher von der Wasserseite aus.

Das Gefälle der Spree ist gering. Auf den 70 Kilometern zwischen Cottbus und dem Neuendorfer See beträgt es nur 15 Höhenmeter. Diese Gemächlichkeit bildet die Grundvoraussetzung für beschauliche Flusswanderungen und Kanutouren. Keine Stromschnellen oder gar Wasserfälle unterbrechen das landschaftliche Idyll, dass im Spreewaldmuseum Lehde besonders deutlich wird. In der kleinen Gemeinde mit angeschlossener Ausstellungsfläche scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

Kulinarisches Wahrzeichen: die Spreewaldgurke

Mit leidenschaftlicher Hingabe wird sich in Lehde einem kulinarischen Wahrzeichen gewidmet: Der Spreewaldgurke. Der Ort hat dem berühmten Gemüse sogar ein eigenes Museum gewidmet. Das Gemüse gedeiht auf den moorigen Böden an der Spree besonders gut und ist über die Landesgrenzen hinaus als Delikatesse bekannt. Seit 1999 sind die Gurken durch eine EU-Verordnung geschützt und dürfen nur in einem definierten geografischen Gebiet hergestellt werden. Von der Gurke als Exportschlager schrieb auch schon Theodor Fontane in den 1870er Jahren in seiner Beschreibung „Wanderung durch die Mark Brandenburg“. Der besondere Geschmack der Gurken ist ein Ergebnis der besonderen Würzung mit Kräutern, wie zum Beispiel Dill. Im Gegensatz zur traditionellen Verarbeitung und der wochenlangen Gärung in Fässern, haben sich die Produktionsprozesse heute auf wenige Tage verkürzt. Als eines der bekanntesten DDR-Produkte hat es die Spreewaldgurke im Film „Good Bye Lenin“  sogar auf der Kinoleinwand ihren großen Auftritt gehabt. Einige der größten Gurkenanbaugebiete sind bei Lübbenau, Golßen und Boblitz.

 

Burg: Spreeadern und eine slawische Minderheit

Vor über 1400 Jahren wanderten die Sorben (oder Wenden) in die Ober- und Niederlausitz ein. Als anerkannte nationale Minderheit zählt der westslawische Volksstamm heute rund 60.000 Mitglieder, von denen auch einige in der Gemeinde Burg leben. Die sorbische Kultur, Geschichte und Sprache bringen dem Dörfchen inmitten der beschaulichen Landschaft zahllose Brauchtümer ein. Berühmt sind die filigran bemalten Ostereier. Mit einer ausgeklügelten Kratz-, Ätz- oder Wachstechnik verwandeln sie sich in wahre Kunstwerke. Darüber hinaus wird von vielen Dorfbewohnern noch die „Zapust“, die Fastnacht gepflegt. Während dieses Treibens tanzen die Jungen und Mädchen in sorbischer Tracht gekleidet, durch die Straßen und sammeln Speck, Kleingeld und Eier ein. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildet der „Zapustumzug“, zu dem unzählige Zuschauer nach Burg strömen.

Die Schlange als Sagenfigur

Über 300 Jahre alte Holzhäuser verwandeln die Gemeinde in ein architektonisches Schmuckstück. Die wendischen Behausungen stammen noch aus der Zeit König Friedrich Wilhelm I. und verleihen dem Spreewald ein pittoreskes Antlitz. Da es vormals sehr schwierig war Baumaterialen durch die dichten Wälder und verwinkelten Flussläufe zu transportieren, entwickelte man eigenwillige Konstruktionen. Die aus Holzbohlen gezimmerten Behausungen wurden mit Reet gedeckt und wirken, als wären sie aus der Zeit gefallen. An den Giebeln der Häuser bestaunt man eine uralte Sagenfigur: Den Schlangenkönig. Entgegen anderen Kulturkreisen, verehren die Sorben die Schlange als Schutz- und Hausgott und bringen sie deshalb über der Türschwelle an. Der Schlangenkönig hält für arme, brave Leute angeblich einen Schatz bereit.

Traditionen werden gewahrt

Radelt man den Spree Radweg entlang, wird man bereits aus der Ferne den Burger Maibaum entdecken. Jährlich am 1. Mai wird er aufgestellt und lädt zum Tanz in den Wonnemonat. In dem kleinen, landschaftlich überaus reizvoll gelegenen Dorf werden die Traditionen noch hochgehalten. Auch im Alltag begegnet man sorbischen Frauen, die in ihrer Tracht gewandet Einkäufe erledigen oder auf einem Kahn durch die idyllischen Spreekanäle gleiten. Ein weitläufiges System aus diesen schmalen Wasserstraßen umgibt die Häuserzeilen und verführt Paddler und Kanuten zu einem malerischen Exkurs. Organisierte Kahntouren geleiten zu den einsamsten Fleckchen der Region und wer es nostalgisch liebt, sollte am alten Bahnhof Station machen. Eine Museumslok erinnert an die ehemalige Schmalspurbahn, die dereinst durch das Dorf ratterte.